Am Freitagabend, 27. März 2026, trafen sich zahlreiche FrauenLesben aus Deutschland, Österreich und der Schweiz online, um die Referentinnen Ahima Beerlage, Doris Hermanns und Ilona Bubeck, moderiert von Susanne Bischoff, zum Thema «FrauenLesbenBuchGeschichte – ist die lesbisch-feministische Politik, Kultur, Geschichte ab 1970 schon wieder verloren gegangen?» im Gespräch zu hören.
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Nach der Begrüssung berichteten alle drei Referentinnen über ihren Bezug zum Thema und über einen Teil ihres Werdegangs – und was für sie so wichtig war/ist an den lesbisch-feministischen Zusammenhängen der 1970er- bis 1990er-Jahre.
Im Unterschied zu der früheren Fülle an Angeboten (Bücher, Frauenbuchläden, Verlage, Frauenzentren, Gesprächsgruppen, Veranstaltungen, Feste etc.) gibt es diese Zusammenhänge heute so nicht mehr, aber vor 50 Jahren wussten viele auch nicht, was es alles gab – also haben sie sich auf die Suche gemacht. Und das Entdecken war für alle wie ein Ankommen.
Auch gemeinsam mit den Zuschauerinnen kam die Rede auf die jüngeren FrauenLesben, wie es (wieder) gelingen könnte, diese zu erreichen und neugierig zu machen auf die lesbisch-feministischen Zusammenhänge abseits von «queer», wo könnten Berührungspunkte sein? Die jungen Frauen finden heute einen queeren Eintopf, in dem patriarchale Regeln und lesbische Frauen, die auf ihrer lesbischen «Identität» beharren, als störend gelten und beschimpft werden. Die Referentinnen betonten, immer Lesbe und Feministin zu sein, die sich für Frauen und Lesben und ihre Lebenszusammenhänge einsetzen, bei «queer» stehen alle Wünsche im Zentrum, dies in der altbekannten hierarchischen Ordnung, in der alle Frauen – sowohl heterosexuelle als auch lesbische und bisexuelle – verschwinden.
Im Weiteren kam die Runde zu der Feststellung, dass zwar viel gelesen wird, aber eher auf digitalen Kanälen, was im Gegensatz zum haptischen Erfassen bei Büchern und ihren Texten nicht im Körper haften bleibt. Oft fehlt der Zugang zu «älterer» (Basis-)Literatur – nicht zuletzt in Buchhandlungen, Bibliotheken und queeren Einrichtungen. Dieses veränderte Leseverhalten, auch begründet in den sozialen Medien, gilt es zu berücksichtigen. Zudem stehen viele jüngere Frauen wegen des Backlash unter grossem gesellschaftlichen und individuellem Druck, und es müsste gelingen, sie da abzuholen, wo sie unterwegs sind. Dies könnte sich als schwierig erweisen, da «queer» vermeintlich mehr Freiheit, sprich weniger Druck, bedeutet als eine lesbische «Identität».
Eine Möglichkeit, die jüngeren FrauenLesben erreichen, könnte in einer Rückkehr zum Analogen bestehen, z.B. in Form von (Vor-)Leseabenden, an denen es möglich ist, mit anderen Lesben in Kontakt und Dialog zu treten, und wo Bücher zugänglich sind – quasi Sinnlichkeit als Chance.
Der Abend fand nach über zweieinhalb Stunden mit fortgesetzter Diskussion in gemütlicher Runde einen schönen Abschluss.
